Wie kann ich mich als Single auf die Ehe vorbereiten?

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von Pater Tilmann Beller, aus “Unterwegs zum Du”

Woran soll ich besonders arbeiten um mich als Single auf die Ehe vorzubereiten? Wir beantworten die Frage mit drei ähnlich lautenden Stichworten: Erstens: Nimm’ dich nicht so wichtig. Zweitens: Nimm’ dich wichtig. Drittens: Nimm’ andere wichtig.

1. Nimm’ dich nicht so wichtig.

Der Single lebt in ständiger Gefahr, nur sich selber zu sehen. Im Grunde sieht er sich den ganzen Tag. Es besteht die Gefahr, dass er die anderen und ihre Meinung nicht richtig an sich heran lässt. Dass er die Meinungen anderer einfach ablaufen lässt. Er weiß alles, was er zu seinem eigenen Leben und seiner Lebensführung braucht.

Er hat keinen Ehepartner in nächster Nähe, der auch etwas von ihm braucht. Wo immer er mit einem Menschen zu tun hat, der etwas braucht, was dem Single nicht passt, kann er innerlich den anderen ins Unrecht setzen. Wenn man so etwas mit dem Ehepartner macht, geht die Ehe kaputt, und man ist wieder ein Single. Also, ein Single sollte zu sich selber immer wieder sagen: Nimm’ dich nicht so wichtig.

2. Nimm’ dich wichtig. 

Ein Single erlebt um sich herum andere Menschen, die erfolgreich sind. Er glaubt: Die Verheirateten haben es gut. Was bei den Verheirateten nicht so gut ist, das sieht ein Single oft nicht. Eine alleinstehende Frau sagt dann zu einer Verheirateten: „Ja, du hast es gut, du hast einen netten Mann und gute Kinder — ich bin immer allein!“ Die Verheiratete antwortet dann: „Hast du eine Ahnung.“ Wehleidigkeit ist eine Art, sich selber wichtig zu nehmen.

Oder ich schaue mich um, und ich sehe Menschen, die mich brauchen, mit denen ich Tag für Tag zusammen bin, zum Beispiel in meiner Arbeit. Ich stelle mich auf diese Menschen ein, ich sehe Großes in ihnen, ich finde sie gut. Ich höre ihnen zu, und ich arbeite auf sie zu.

Wenn ich acht Stunden am Tag arbeite, dann wende ich mich meiner Arbeit zu und mache sie besser als sie unbedingt sein muss. Als Schlüssel könnten wir sagen: Ich arbeite immer ein wenig besser als ich muss. Nicht wegen des Chefs, nicht wegen der Firma, sondern wegen mir. Weil ich wichtig bin für die Sache selbst.

Ich bin wichtig, weil Gott mich anschaut und weil er sagt: „Du bist mir wichtig.“ Er sagt mir,”Ich habe dich erdacht.” Als religiöser Mensch kann ich in diesem Gedanken ausruhen. Manchmal sage ich freilich: „Lieber Gott, was hast Du Dir dabei gedacht…?“ Und eben in dieser Frage erlebe ich, dass ich meinem Gott wichtig bin.

3. Nimm’ andere wichtig.

Das kann man trainieren. Das ist auch dort möglich, wo wir ein negatives Denken, eine Enttäuschung an uns selbst, einen Mangel an unserer Persönlichkeit mit uns herumtragen. Da arbeite ich dann daran, andere groß zu sehen. Ich schaue einen anderen Menschen an, und lasse ihn mir gut tun.

Ich lasse die negativen Bilder nicht in mich hinein, ich sehe das Negative, aber ich lasse es nicht in mich hinein. Ich lasse das Gute, das ich im anderen sehe, in mich hinein, und ich bewege es in mir. Am Anfang kommt da nur wenig. Aber das wird immer mehr —und baut mich auf. Was dann in mir gewachsen ist, nämlich die Fähigkeit, an einem anderen Menschen etwas Gutes zu entdecken, und selbst in mir das Negative zu überwinden, was dann in mir gewachsen ist, das tut später meinem Partner gut.

 

Weitere Texte von P. Beller finden Sie auf diesem Blog und in seinem Buch für Singles https://www.kathtreff.org/blog/wegweiser-fur-singles/

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