Wenn die Seele nach Heilung schreit…

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Jeder Mensch hat ein Sackerl zu tragen und bringt Verletzungen mit. Viele wissen oft nicht einmal um ihre eigenen Wunden. Wie kann man mit der eigenen Unheilsgeschichte umgehen lernen? Wie kann man sie in eine Heilsgeschichte und Heilungs-Geschichte wandeln?

Loslassen, enttäuscht werden, verzichten müssen ist ein Leiden. Das darf man nicht wegrationalisieren. Es ist möglich, dass die Seele jahrelang leidet. Vielleicht weiß die Seele nicht einmal mehr, wie sie das Leiden artikulieren soll. Als Folge fällt einem das Leiden der Seele oft gar nicht mehr auf. Wer die Seele zum Schweigen gebracht hat, beginnt, alles mit dem Kopf allein zu machen – und deshalb immer wieder Fehlentscheidungen zu treffen. Dann ist Heilung und Rückbesinnung notwendig.

Es tut weh, auf Verletzungen und unerfüllte Sehnsüchte zu blicken. Um Schmerz zu vermeiden schauen wir lieber nicht in unsere Seele und geben damit Land ab. Wir ziehen uns zurück aus unserer eigenen Seele. Damit werden wir ein Stück weit unpersönlicher. In Wirklichkeit aber sollten wir Land zurückerobern und sogar Neuland unter den Pflug nehmen! Dann wird Heilung fruchtbar.

Wir müssen also fähig werden, zugunsten des Lebens und der Lebendigkeit Schmerzen zu ertragen. Dadurch schaffen wir einen Weg in die tieferen Bereiche der Seele. Denn im Tiefsten ist jede Menschenseele heil und gesund. Die wenigsten nützen aber diesen Zugang und kennen die heilen Teile ihrer Seele gar nicht. Das ist der Weg zur Heilung. Und der Weg zur Mitte ist der Weg zu Gott, sagte Theresa von Avila.

Ja, jeder bringt Verletzungen aus der Kindheit mit. Aber ab einem gewissen Alter gilt die Rechtfertigung der Ursprungsfamilie nicht. Wir können direkt mit Gott Kontakt haben und die richtige Richtung finden.

Ja, auf die eigene innere Sehnsucht zu treffen tut weh. Darum wenden wir uns einfacheren Freuden zu. Wo die Sehnsucht verkannt wird, entstehen Süchte. Aber wir brauchen keine Angst zu haben: Gott schenkt keine Sehnsucht, die Er nicht erfüllen wird, wenn wir es zulassen.

Heilung und Heil-werdung ist Bewußt-werdung! Meine gute seelische Verfassung ist Voraussetzung für positives familiäres und berufliches Wirken.

„Man muss sich mit den zarten und verletzlichen Dingen befassen, will man sich selbst verstehen und hinter die heimliche Weisung kommen, die unser Leben bestimmen will,“ sagt Jörg Zink            .

Das Leben ist ein Zusammenwirken von Gott und Mensch. In der Schöpfung macht der Geist die Erde lebendig. Das Materielle muss absolut ernst genommen werden, darf aber nicht absolut gesetzt werden. Denn wenn es beim Materiellen bleibt, wird unsere Existenz auf das Materielle reduziert. Kurt Tucholsky sagte: „Die Welt ist um eine Nummer zu klein geraten.“ Dadurch wird seine beispielhafte Suche nach dem Transzendenten, nach Gott ersichtlich. Der Mensch wird erst erfüllt und zufrieden, wenn er über Körper und Emotion hinausgeht. „Der Geist ist es, der lebendig macht.“

Ohne Körperlichkeit können wir das Leben und die Liebe nicht erleben. Es braucht also immer beides: Materie der Erde und den Geist Gottes. Zu Ostern haucht der Auferstandene die Jünger an: „Empfangt den Heiligen Geist!“ Das ist eine Art von Neuschöpfung. Wenn Jesus in das Leben tritt, gehen einem „die Augen auf“ – wie den Emmausjüngern.

Der Geist kann aber nur in der richtigen Haltung empfangen werden. Eine Liebe zum Leben, zur Wahrheit, zu Gott und den Menschen ist notwendig, um vom Geist neu geschaffen zu werden. Wo sich so ein Strom der Gnade bildet, geschieht Heilung. Dann werden sogar die Pflanzen, die sich mit diesem Wasser des Stromes nähren, zu Heilpflanzen.

Außerdem von P. Paul:

– Beziehungskiller Multitasking: Innere Sammlung setzt Seelenkräfte frei

– Die Seele zwischen Einzigartigkeit und Abgrenzung

Eine Zusammenfassung der Vorträge von P. Paul Weingartner auf kathTreff Single-Einkehrtagen in Maria Langegg (weitere Termine für Singles finden Sie hier…)

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  • Fg68at:

    “Jede Zelle eines Menschen ist als Männer- oder Frauenzelle erkennbar. ” Dies stimmt biologisch für die Mehrheit, aber nicht für alle Menschen. Manche kommen auch nur durch Zufall drauf, weil sie eine spezielle Diagnose benötigten. Andere bemerken diese Besonderheit nie.

  • Kind Gottes:

    Gott hat den Menschen als Mann und Frau erschaffen und ihnen den Auftrag mitgegeben:
    “Wachst und mehrt euch …”. Daher ist der Mensch prinzipiell zweigeschlechtlich. Daß in Folge der Sünde diese körperliche Eindeutigkeit nicht immer ganz so gegeben sein mag halte ich für durchaus möglich, will ich aber mangels genauer Sachkenntnis nicht weiter kommentieren.
    So wie die Krankheit eine Ausnahmesituation zum Normalen ist, so ist es aus meiner Sicht auch bei einer möglichen Abweichung zum Normalfall beim körperlichen Geschlecht. Es ändert aber nichts daran, daß es nur zwei Geschlechter gibt, die für die Fortpflanzung notwendig sind. Wie wir uns persönlich fühlen, ob wir groß oder klein sind, ob klug oder weniger klug, blaue Augen haben oder grüne – all das stellt die Ausgangssituation dar, mit der wir berufen sind, mit Gottes Hilfe unser Leben zu meistern und unseren Auftrag in unserem Leben zu erfüllen.

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