Was, wenn man sich nicht hundertprozentig „sicher“ ist?

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Die erste Frage, die sich stellt, ist die: „sicher“ – worin?

  • Dass er der „Richtige“ ist? Den gibt es ja nicht; es gibt nur einen „Passenden“, für den man sich entscheidet.
  • Dass er jemand ist, für den man sich entscheiden kann? Dann muss man die Grundvoraussetzungen und die Kriterien für eine gute Beziehung genau und ehrlich durchgehen.
  • Keinen Grund dagegen gefunden und immer noch unsicher? Dann muss man sich selbst auf den Zahn fühlen und die Frage stellen: Wie triffst du in anderen Fällen Entscheidungen? Bist du dir oft unsicher und musst du von Freunden und Verwandten zu den richtigen Entscheidungen gestoßen und gezerrt werden? Ausbildungs-, Berufs-, Wohnungs- und Tapetenwahl ist immer eine Qual für dich? Fühlst du dich oft nicht gut genug, zweifelst du oft, ob du etwas auch richtig gemacht hast? Dann ist deine Unsicherheit in der Partnerwahl kein schlechtes Zeichen, sondern ein ganz normales Phänomen deines persönlichen Psychohaushalts. Lass’ dir von Freunden und weisen Menschen Rat geben und Mut machen, und gewöhne dich daran, ab und zu ins kalte Wasser zu springen.
  • Bist du aber spontan entscheidungsfreudig und mit einem guten Bauchgefühl ausgestattet, dann könnte deine Unsicherheit heißen, dass du am „Falschen“ bist.

Prinzipiell und für den Normalfall kann man das nun so zusammenfassen:

  • Der „Richtige“ ist da, wenn man sich diese Frage nicht mehr stellt.
  • Eine kleine Entscheidungskrise ist normal – nicht weil man am „Falschen“ ist, sondern weil man dabei ist, einen sehr großen Schritt in seinem Leben zu machen.
  • Wenn es vor der Heirat schon sehr schwer ist, passt es wahrscheinlich nicht. Scheidungen haben Frühwarnzeichen, die man schon vor der Heirat feststellen kann. Eheberatung schon vor der Hochzeit zu brauchen, heißt im Normalfall, dass beide etwas wahr-machen wollen, was nicht wahr ist.
  • Wenn man zu lange über den anderen grübeln muss, ist es ein schlechtes Zeichen (außer wie gesagt man grübelt prinzipiell bei allen Entscheidungen).
  • Achtung: Sex vor der Ehe könnte die Wahrnehmung trüben. Man könnte den anderen aufgrund der geschaffenen Vertrautheit weniger objektiv ansehen. Außerdem besteht die Gefahr, dass aufkeimende Probleme durch „drüber wegschmusen“ oder „Make-up Sex“ verdeckt werden.
  • Achtung: Auch das Zusammenlegen von zwei Haushalten ohne die Verbindlichkeit eines Trauschein könnte die Entscheidungsfähigkeit einschränken: Obwohl es nicht wirklich passt, könnte man aus Bequemlichkeit beim „Falschen“ bleiben.
  • Achtung Perfektionisten: Wer in der Ehe den Himmel auf Erden sucht, könnte lange suchen. Also, Fehler des anderen akzeptieren und nicht auf Mr. Perfect warten.
  • Achtung Optimisten: Was vor der Ehe nicht da ist, wird meist in der Ehe auch nicht mehr. Das betrifft auch Glaubensfragen! Überlege also: Er ändert sich nicht. Kann ich dauerhaft mit diesem oder jenem leben?
  • Ach ja, und für die, die sich zwischen Zweien nicht sicher sind: Der Richtige ist wahrscheinlich weder Mister A noch Mister B. Sonst würde dir die Auswahl nämlich leicht fallen. Vielleicht ist da ja noch ein Dritter, der sich auf dich freut; es heißt doch: „Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte?“

Leider habe ich noch schlechte Nachricht für die, die auf der Hochschaubahn namens „er mag mich, er mag mich nicht“ sitzen: Im Normalfall wird ein Mann, der eine Frau liebt, alles tun, um bei ihr zu sein. Wenn man das Verhalten eines anderen ständig interpretieren und kompliziert deuten muss, hat er mit großer Wahrscheinlichkeit keine ernsten Absichten. „Er hat mich gestern eine Sekunde länger angesehen als alle anderen, er liebt mich sicher! Er ist ja nur schüchtern…“ Bist du ehrlich mit dir selbst, wenn du das glaubst?

Weiterlesen in: Niemand ist eine Insel

 

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