Werde, wer Du bist! Werde der, den Gott gedacht hat!

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Interview mit der Personalberaterin Mechthild Löhr

FRAGE von kathTreff: Frau Löhr, Sie führen seit 1991 eine Personal- und Unternehmensberatung. Welche persönlichen und beruflichen Qualifikationen sind aus Ihrer Sicht in der heutigen Zeit am meisten gefragt? Gibt es einen Trend in eine bestimmte Richtung? Werden Singles bevorzugt oder haben sie es schwerer?

Bei den persönlichen Qualifikationen stehen sicherlich eine gute Ausbildung, eine kontinuierliche Entwicklung, keine großen Brüche im Lebenslauf, Integrität, und Kommunikationsfähigkeit im Vordergrund. Außerdem ist hohes Commitment sehr wichtig. Eine ausgeprägte Leistungsbereitschaft, Identifikation mit dem Beruf/Unternehmen, die Flexibilität neue Aufgaben zu übernehmen und ständige Lernbereitschaft sind die wichtigsten beruflichen Qualifikationen. Ja, es gibt einen Trend: er geht klar zu einer Vernetzung von Tätigkeiten, I.T. und zur menschlichen Dimension. Ohne I.T. Kenntnisse ist man absolut im Nachteil.

Singles werden als Mitarbeiter, aber nicht als Führungskräfte bevorzugt. Führungskräfte sollten eine private ausgewogene Struktur haben, familiärer Kontext wird geschätzt. Aber je mehr es mit Technologie zu tun hat, desto weniger ist der Familienstatus relevant.

FRAGE: Die Arbeitslosenzahlen steigen in vielen Ländern an. Mit den Worten „Macht die Augen auf und legt nicht die Hände in den Schoß“ hat auch Papst Franziskus an Politiker und Unternehmer appelliert, etwas gegen die Arbeitslosigkeit zu tun. Oft scheinen die hohen beruflichen Anforderungen an die Arbeitssuchenden ein Hindernis zu sein. Sollten persönliche Eigenschaften bei einer Einstellung wieder vermehrt im Vordergrund stehen?

In der Tat hat der überwiegende Teil der Arbeitslosen in Deutschland keinen Schul-, Studien- oder Ausbildungsabschluss. Unter 3 % liegt die Akademikerarbeitslosigkeit, das heißt eine gute Ausbildung ist beinahe eine Garantie gegen Arbeitslosigkeit. Man muss zwischen Dauer- und Kurzzeitarbeitslosen unterscheiden.

Persönliche Eigenschaften stehen generell in Vordergrund, und das ist das große Problem der Langzeitarbeitslosen, die sich durch die lange Zeit der Arbeitssuche disqualifizieren. Sie sind nicht mehr belastbar und schwer integrierbar. Viele sind Singles und haben ein höheres Risiko, weil ihr soziales Netzwerk zusammenbricht. Papst Franziskus meint mit seiner Aussage nicht die Arbeitslosigkeit sondern ihre Folgen in einer nicht sozialen Marktwirtschaft.

FRAGE: Arbeiten gehört aus christlicher Sicht zu einem Leben in Würde. Besteht eine Pflicht für christliche Unternehmer, gerade Langzeitarbeitslosen eine berufliche Perspektive zu bieten?

Man bekommt Würde nicht durch das Arbeiten, man hat auch Würde, wenn man nie einen externen Arbeitsplatz hatte. Viele Menschen können aus verschiedenen Gründen nicht am Erwerbsleben teilnehmen. Aber wenn jemand gesund ist, arbeiten möchte und keine Chance dazu hat, dann verletzt das seine Würde auch in der Möglichkeit einen sinnvollen Beitrag durch das Leben zu erbringen. Wir müssen jedem Arbeitslosen, respektvoll und auf Augenhöhe begegnen. Wenn man beruflich die Möglichkeit hat, sollten wir uns alle kümmern, dass Menschen die Arbeit wollen, Arbeit bekommen.

FRAGE: Als Personalberaterin wissen Sie um die Bedeutung der persönlichen Weiterbildung. Wie kann der einzelne an sich arbeiten und wie können Unternehmen die Persönlichkeit ihrer Mitarbeiter fördern?

Die persönliche Weiterbildung ist zunächst einmal die Aufgabe des einzelnen. Ich bin mir selber auch als Aufgabe gegeben und anvertraut, Gott hat mir die Talente geschenkt und gibt mir den Auftrag sie zu nutzen: beruflich, familiäre, ehrenamtlich, etc. Die meisten Unternehmen bieten aktiv relativ wenig an, sondern erwarten, dass die Mitarbeiter sich selbst um die Weiterbildung bemühen. Es gibt leider viele junge Menschen, die warten bis ihnen etwas angeboten wird. Sie sollten stattdessen aktiv nachfragen und fordern! Lernen, dazulernen, in der Welt der Gegenwart zu Hause zu sein, ist nicht nur im Beruf, sondern auch für die Persönlichkeitsbildung wichtig: lebenslanges Lernen, Weiter- und Fortbildung sollte jeder Mensch anstreben.

FRAGE: „Werde, wer Du bist.“ Junge Menschen und Berufseinsteiger – oft zugleich auch Singles – haben ihren festen Stand im Alltag und Berufsleben zumeist noch nicht gefunden. Wie können sie sich in der Arbeitswelt behaupten und ihren persönlichen Weg finden?

Junge Menschen können sich in der Arbeitswelt behaupten, in dem sie nicht faul sind und immer etwas freiwillig mehr als andere machen. Man sollte die Arbeit mögen – sowie auch die Menschen. Jemand ,der das Leben nicht mag und seine Aufgaben nicht mag, der kommt auch nicht weiter.

Werde, wer Du bist, das ist mein Motto! Genau das gebe ich oft jungen Leuten in der Beratung mit. Wir haben heutzutage 90 Jahre Zeit, um der zu werden, den Gott gedacht hat. Man wird mit sehr vielen Talenten, Gaben und Eigenschaften geboren. Man kennt sie nur nicht und dann hat man lange Zeit, um sie zu entdecken, zu verbessern, auszupacken und zu entwickeln. Ich vergleiche das gerne mit den Jahresringen eines Baumes: Der Baum ist von Anfang an eine Eiche, Buche etc., aber durch die Jahresringe wird er zu einem starken Stamm. So sollten wir unsere Entwicklung sehen, sie sollte nicht aufhören, sie sollte auch nie nur beruflich sein, sondern natürlich auch privat. Denn Fortbildung ist ein wichtiger Teil der Wegfindung.

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Mechthild Löhr, MA, studierte Politikwissenschaft, Philosophie und Öffentliches Recht an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (M.A.). Seit 1991 führt sie eine Personal- und Unternehmensberatung in Königstein im Taunus. Von 1993 bis 1999 war sie Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU). 2002 wurde sie als Bundesvorsitzende der Lebensrechtsorganisation Christdemokraten für das Leben (CDL) gewählt. Außerdem ist sie Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL).

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  • Fg68at:

    “Jede Zelle eines Menschen ist als Männer- oder Frauenzelle erkennbar. ” Dies stimmt biologisch für die Mehrheit, aber nicht für alle Menschen. Manche kommen auch nur durch Zufall drauf, weil sie eine spezielle Diagnose benötigten. Andere bemerken diese Besonderheit nie.

  • Kind Gottes:

    Gott hat den Menschen als Mann und Frau erschaffen und ihnen den Auftrag mitgegeben:
    “Wachst und mehrt euch …”. Daher ist der Mensch prinzipiell zweigeschlechtlich. Daß in Folge der Sünde diese körperliche Eindeutigkeit nicht immer ganz so gegeben sein mag halte ich für durchaus möglich, will ich aber mangels genauer Sachkenntnis nicht weiter kommentieren.
    So wie die Krankheit eine Ausnahmesituation zum Normalen ist, so ist es aus meiner Sicht auch bei einer möglichen Abweichung zum Normalfall beim körperlichen Geschlecht. Es ändert aber nichts daran, daß es nur zwei Geschlechter gibt, die für die Fortpflanzung notwendig sind. Wie wir uns persönlich fühlen, ob wir groß oder klein sind, ob klug oder weniger klug, blaue Augen haben oder grüne – all das stellt die Ausgangssituation dar, mit der wir berufen sind, mit Gottes Hilfe unser Leben zu meistern und unseren Auftrag in unserem Leben zu erfüllen.

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