Von Daniel R. Esparza
Die Wüstenväter kannten eine Versuchung, die sie den „Mittagsdämon“ nannten. Besonders in den heißen Stunden des Tages wurden viele Mönche von einer tiefen inneren Unruhe erfasst. Sie konnten sich weder auf das Gebet noch auf ihre Arbeit konzentrieren, blickten immer wieder zur Tür oder aus dem Fenster und waren überzeugt, dass sie anderswo glücklicher oder geistlich erfolgreicher wären.
Diese Erfahrung bezeichneten sie als Acedia. Gemeint ist weit mehr als bloße Faulheit. Acedia beschreibt eine innere Erschöpfung und Widerwillen gegenüber dem Guten, verbunden mit Rastlosigkeit, Unzufriedenheit und dem Wunsch, der eigenen Situation zu entkommen.
Die Wüstenväter erkannten, dass Acedia nicht nur zu Untätigkeit führt. Sie kann sich ebenso in hektischer Betriebsamkeit äußern: Man sucht ständig nach Ablenkung, beginnt immer neue Projekte oder beschäftigt sich mit Nebensächlichkeiten, um der eigentlichen Aufgabe auszuweichen.
Diese alte Einsicht wirkt heute erstaunlich aktuell. Das ständige Greifen zum Smartphone, das endlose Scrollen durch soziale Medien oder das Gefühl, anderswo etwas zu verpassen, entsprechen jener inneren Unruhe, die die Wüstenväter bereits vor über 1.500 Jahren beschrieben. Heute spricht man häufig von FOMO („Fear of Missing Out“), der Angst, etwas zu versäumen.
Als Gegenmittel empfahlen sie nicht, den Ort zu wechseln oder immer neuen Reizen nachzugehen. Stattdessen rieten sie dazu, im gegenwärtigen Augenblick zu bleiben, die eigene Aufgabe treu zu erfüllen und im Gebet auszuharren. Sie waren überzeugt, dass die innere Unruhe mit der Zeit nachlässt, wenn man ihr nicht nachgibt.
Die Botschaft der Wüstenväter ist bis heute aktuell: Wahre Ruhe entsteht nicht dadurch, dass man ständig nach Abwechslung sucht, sondern indem man lernt, im Hier und Jetzt zu leben, den eigenen Verpflichtungen treu zu bleiben und sich immer wieder auf Gott auszurichten.
Wir danken der internationalen Website Aleteia.org für die Erlaubnis zur Übersetzung und Verwendung.

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