Novelle des Fortpflanzungs-Medizingesetzes: offener Brief

Fortpflanzungsmedizingesetz

Von der Debatte rund um das Fortpflanzungsmedizingesetz in Österreich bin ich sehr betroffen. Fast niemand scheint die Brisanz der Problematik rund um Eizellspende, Präimplantationsdiagnostik und einer weiteren Trennung von Kindern und genetischen Eltern durch die Ausweitung der In-Vitro-Fertilisation zu verstehen. Am 28.11. habe ich gemeinsam mit einigen Kolleginnen einen offenen Brief an den ÖVP-Klub des österr. Parlaments geschrieben.

Sehr geehrter Herr Klubobmann!

Sehr geehrte Nationalratsabgeordnete der österreichischen Volkspartei!

Als engagierte Funktionärinnen der ÖVP sind wir sehr besorgt über die Novelle des Fortpflanzungsmedizingesetzes, die ohne öffentliche Diskussion wesentliche Grundwerte abändert.

Wir halten an dem bisherigen therapeutischen Ziel des Gesetzes fest, Paaren, denen aus medizinischen Gründen die Herbeiführung einer Schwangerschaft auf natürlichem Weg nicht möglich ist, durch technische Hilfen der Fortpflanzungsmedizin zu helfen.

Wir halten an dem Grundsatz des Gesetzes fest, dabei das Kindeswohl zu achten und stellen es über den verständlichen Wunsch von Erwachsenen, ein Kind zu „haben“.

Wir gehen davon aus, dass sich die Rechtsordnung dafür einsetzen sollte, einem Kind möglichst das Aufwachsen bei Vater und Mutter zu erleichtern.

Wir sehen unseren Auftrag darin, Frauen vor Ausbeutung und Instrumentalisierung zu bewahren und sie gegen den Druck, der aus unterschiedlichen Interessen auf sie ausgeübt wird, zu unterstützen.

Schließlich halten wir an dem bisherigen Grundsatz des Gesetzes fest, den Schutz des Embryos zu wahren und daher zu verhindern, dass Embryonen nach Abschluss des Reproduktionsprozesses übrig bleiben.

Aus alledem ziehen wir folgende Schlüsse:

Der Novelle des FMedG widerspricht der Identität und dem Menschenbild unserer Partei und der Überzeugung vieler unserer Wählerinnen und Wähler.

Wir können daher der Eizellspende nicht zustimmen: Sie birgt gesundheitliche und psychosoziale Risiken für die Kinderwunschpatientin, die Eizellspenderin und das Kind. Sie fördert die Ausbeutung von Frauen und erhöht den Druck auf die Kinderwunschpatientin. Sie konfrontiert das Kind mit einer gespaltenen Mutterschaft.

Weiters können wir der Präimplantationsdiagnostik (PID) nicht zustimmen. Die PID ist nie Therapie, sondern immer Selektion. Die PID kann nicht zufriedenstellend beschränkt werden. Es gibt bisher noch keinen wissenschaftlichen Beweis, dass durch PID die Schwangerschaftsrate bei unerklärter Unfruchtbarkeit oder häufigen Fehlgeburten gesteigert werden kann.

Wir können auch der Öffnung der künstlichen Befruchtung (IVF) für Frauen in lesbischen Beziehungen nicht zustimmen: Ein Kind hat ein Recht auf Vater und Mutter. Aufgabe des Staates ist es dafür zu sorgen, dass ein Kind möglichst bei Vater und Mutter aufwächst. Die Rolle des Vaters bzw. der männlichen Erziehungsperson wird in Diskussionen um Obsorge und Kindergartenpädagogen sehr hoch geschätzt. Gerade dort, wo die Zeugung eines Kindes mit hohem technischen Aufwand geplant wird, sollte die Verantwortung gegenüber dem Kind ein Aufwachsen bei Vater und Mutter sicherstellen.

Wir brauchen ausreichend Zeit für eine breite Debatte.

Daher bitten wir, dass der Entwurf zurückgezogen und nur die minimalen Reparaturen, die sich zwingend aus dem VfGH-Erkenntnis (z.B. die „ultima ratio“-Regel) ergeben, beschlossen werden.

Gezeichnet am 28.11.2014,

Gudrun Kugler und Kolleginnen

 

 

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  • Fg68at:

    “Jede Zelle eines Menschen ist als Männer- oder Frauenzelle erkennbar. ” Dies stimmt biologisch für die Mehrheit, aber nicht für alle Menschen. Manche kommen auch nur durch Zufall drauf, weil sie eine spezielle Diagnose benötigten. Andere bemerken diese Besonderheit nie.

  • Kind Gottes:

    Gott hat den Menschen als Mann und Frau erschaffen und ihnen den Auftrag mitgegeben:
    “Wachst und mehrt euch …”. Daher ist der Mensch prinzipiell zweigeschlechtlich. Daß in Folge der Sünde diese körperliche Eindeutigkeit nicht immer ganz so gegeben sein mag halte ich für durchaus möglich, will ich aber mangels genauer Sachkenntnis nicht weiter kommentieren.
    So wie die Krankheit eine Ausnahmesituation zum Normalen ist, so ist es aus meiner Sicht auch bei einer möglichen Abweichung zum Normalfall beim körperlichen Geschlecht. Es ändert aber nichts daran, daß es nur zwei Geschlechter gibt, die für die Fortpflanzung notwendig sind. Wie wir uns persönlich fühlen, ob wir groß oder klein sind, ob klug oder weniger klug, blaue Augen haben oder grüne – all das stellt die Ausgangssituation dar, mit der wir berufen sind, mit Gottes Hilfe unser Leben zu meistern und unseren Auftrag in unserem Leben zu erfüllen.

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